Was wir von meiner Oma über Nachhaltigkeit lernen können

Oma wusste, wie Nachhaltigkeit geht – und ich kann mich noch genau an ihre Haushaltsführung erinnern, auch wenn es lange her ist!

Oh Mann! Wenn man an seine Großeltern denkt, wird einem erst einmal klar, wie alt man eigentlich inzwischen ist. Ich bin ein Kriegsenkel, meine Eltern waren also Kriegskinder und somit meine Großeltern die Generation, die alles live miterleben musste.

Jedoch: Heute reden wir nicht von Schuld, was ja oft sehr nahe liegt, wenn es um das Thema geht.

Vielmehr möchte ich hier aber davon erzählen, was meine Oma gut und richtig gemacht hat, damals aus Selbstverständlichkeit und Sparsamkeit heraus, heute aber leider oft und in vielen Haushalten in Vergessenheit geraten!

Ich mache das anlässlich eines Kongresses, zu dem ich im November nach Hamburg reisen werde. Es geht um Nachhaltigkeit und wird sicher spannend. Da im Rahmen dieses Ereignisses ein Blogpost zum Thema erwünscht ist, sei hiermit auch direkt klar gestellt: Dies ist eine werbliche Kooperation mit re:BLOG, dem Nachhaltigkeitsblog, deren Betreiber mich auch nach Hamburg eingeladen haben.

Ich habe also überlegt, was ich denn zu dem Thema beitragen könnte. Was passt zu mir, zum Blog und zu meinem Ziel, immer etwas Praxistaugliches abliefern zu wollen?

Als dann im letzten Gewinnspiel so viele tolle Ideen zusammen kamen (bitte lest unbedingt die tollen Antwortkommentare!) wusste ich auf einmal: BACK TO THE ROOTS, das ist es! Einige Leute machen vieles wieder so wie früher, wie Oma, und das ist gut so!

 

Oma wusste, wie Nachhaltigkeit geht!

Photocredit: Pixabay Diese sympathische Dame ist leider nicht meine Oma, aber ist das Bild nicht schön? Ich habe sie direkt ins Herz geschlossen!

1. Für Oma und Opa galt vor allem eines: Sparen, Sparen, Sparen!

Da wurde natürlich nicht an die Umwelt gedacht, sondern an den eigenen Geldbeutel. Die Erinnerungen an Kriegszeiten und Nachkriegszeit, an Essensmarken, Lebensmittelknappheit und Hungersnot saßen tief.

Bei meinen Großeltern (und sicher bei vielen anderen auch) äußerte sich das sehr widersprüchlich: Zum einen wurde teilweise im Übermaß gefuttert. Es gab Koteletts und Buttercremetorten, Süßigkeiten und üppige Mahlzeiten und in meiner Erinnerung erscheint es mir, als sei da wirklich ein Nachholbedarf gewesen, der nicht mehr enden wollte. Reste durfte es nicht geben, also musste alles aufgegessen werden! (Auf die Nachteile dieser Sparmaßnahme gehe ich jetzt mal nicht weiter ein, aber ich persönlich habe sehr lange dafür gebraucht, mir das „alles aufessen“ wieder abzutrainieren!)

Auf der anderen Seite war Sparsamkeit das A und O bei allem, was den Haushalt betraf.

Alte Briefe und Rückseiten von unbenutztem Papier wurden als Notiz- und Einkaufszettel benutzt, warum denn neue Notizblöcke kaufen?

Wie war mir diese Sparsamkeit meines Opas zuwider! Immer hieß es „Licht aus“ und „dreh die Heizung nicht so auf, du kannst auch einen Pullover anziehen!“ und ich fand ihn immer so geizig! Es durfte keine unnötige Energie verschwendet werden!

Nie durfte ich Apfelsaft pur trinken. Ich habe bis ins Erwachsenenalter hinein Apfelschorle verabscheut, weil Opa immer darauf bestand, dass wir den Apfelsaft verdünnen. Nicht aus gesundheitlichen oder kulinarischen Gründen, sondern weil er zu teuer war. Dabei ist das nicht nur sparsamer, sondern auch gesünder!

Ihr seht: es wurde wirklich an allen Ecken und Enden gespart, dabei war das Geld in den Siebzigern gar nicht so knapp. Aber die mageren Zeiten waren nun mal unvergessen, hatten sich für immer eingebrannt und hätten ja jederzeit wiederkehren können.

 

 

Oma wusste, wie Nachhaltigkeit geht! Tipps und Tricks

Omas Küche (Photokredit: Pixabay)

 

2. Oma kannte (noch) kein Plastik

Schaut mal, ich habe ein tolles Bild gefunden. So sahen auch die Küchengeräte meiner Oma aus, bis dann so nach und nach alles anfing, aus Plastik hergestellt zu sein.

Das Küchensieb aus Emaille, Die Reibe aus Blech oder Edelstahl, der Pfannenwender, die Töpfe und Geräte – alles war aus haltbaren Materialien, Holz, Metall oder Porzellan und hielt meist ewig. (Total schön finde ich, dass auf dem Bild sogar ein Einfülltrichter für Weckgläser ist, aber dazu komme ich noch. Erkennt ihr es? Links neben der Reibe, so ein Ding habe ich auch!).

Brote wurden in Papier gewickelt oder in einer Blechdose transportiert. Mein Opa bekam immer den guten alten Henkelmann mit zur Arbeit. Essensreste kamen in eine Porzellanschüssel mit einem Teller als Deckel, Tupperware, Brotdosen und Frischhaltefolie hielten erst später Einzug. Zum Glück ist es wieder angesagt, solche Behälter aus Edelstahl herzustellen und zu verkaufen, und das in großer Auswahl.

Stellt euch vor, das wäre so geblieben. wäre das schlimm? Der einzige Nachteil, der mir einfällt: Beim Umzug hat man wohl etwas schwerer zu tragen. Vielleicht noch ein höherer Neupreis bei der Anschaffung – aber das gilt eigentlich nicht: Man müsste ja viel seltener etwas Neues anschaffen.

Ich achte schon seit langem darauf, dass ich keine Plastikteile mehr für die Küche kaufe. Es lohnt sich wirklich, ein paar Euro mehr für Edelstahl, Glas, Keramik oder Holz auszugeben – und meist hat man dann auch etwas Hochwertigeres!

Kaya & Kato Shopper

Eingekauft wurde mit Einkaufstaschen, Körben oder einem Trolley. Das Gemüse war natürlich nicht verpackt

3. Oma hatte keine Plastiktüten, sondern einen Einkaufskorb

Auch meine Mutter hat sich nie Tüten geben lassen, zumindest beim Lebensmitteleinkauf nicht. Ich kenne es nicht anders als mit einem Korb oder einer Tasche loszuziehen – als Kind fand ich das eine Zeit lang auch mal ziemlich uncool…

Wann fing das an, dass es total egal wurde, ob man jeden Tag 2 Plastiktüten mitkauft und diese dann Zuhause herumfliegen oder für Müll verwendet werden?

Es ist wirklich kein Problem, eine schöne Einkaufstasche oder ein oder zwei Baumwolltaschen in seiner (Hand)Tasche mitzunehmen. Zum Glück sind die Dinger ja wieder richtig angesagt und gesellschaftsfähig! Und sie halten wesentlich länger als die Plastiktüten. Oma war das natürlich schon immer klar 😉

Auch der Inhalt der Taschen sah damals noch anders aus, denn beim Gemüsehändler oder auf dem Markt gab es alles lose, höchstens wurde mal eine Papiertüte verwendet. Auch diese hat Oma natürlich aufbewahrt für den nächsten Einkauf und die wusste noch nichts von CO2-Fußabdrücken, globaler Erwärmung und Plastikinseln in unseren Ozeanen…

 

 

Oma hat Nachhaltig eingekauft und gekocht

Nachhaltiges Kochen – ein interessantes Thema, aber sicher kein Neues! Himmel & Ääd zum Beispiel eignet sich gut dafür.

 

4. Oma hat nachhaltig eingekauft und gekocht: So etwas hat sie damals in der Schule gelernt

Okay, das galt natürlich leider nur für Mädchen, was einem leider noch viel zu existenten Rollenverständnis zu verdanken ist. Aber mal ehrlich: Es hat Sinn gemacht. Es würde auch heute wieder Sinn machen, und zwar für alle, inclusive Eltern am besten noch.

Wie läuft es denn meistens mit dem Einkaufen? Überlegen, worauf man Appetit hat, nach der Arbeit kurz im Supermarkt vorbeischauen (noch ein paar Spontankäufe mit einpacken) und Abends zubereiten. Wenn es gut läuft, ist es kein Fertiggericht.

Oma hat es so gemacht: Sie hat sich überlegt, was sie kochen wird in den nächsten Tagen.  Dann hat sie nachgesehen, was noch so an Vorräten da ist und was aufgebraucht werden muss und das in Ihre Planung einbezogen. Dann hat sie einen Einkaufszettel geschrieben. Mit dem ist sie dann losgezogen (oder hat den Opa geschickt) und damit war für die Woche eigentlich alles erledigt. 

Gekocht wurde ebenfalls nachhaltig

Und das fällt wirklich schon unter „kluges Wirtschaften“, ich habe es schon einmal in einem ähnlichen Artikel über smartes Shoppen beschrieben:

Einmal kochen – dreimal essen: Wenn man einen riesigen Topf Kartoffeln kocht und daraus verschiedene Gerichte zaubert, hat man nicht nur Zeit und Nerven, sondern auch noch Energie gespart! Typisch Oma – so gab es zwar zwei oder dreimal nacheinander Kartoffelgerichte, aber immer anders. Auch Gemüse kann man frisch kochen und sich eine Portion verwahren, um am nächsten Tag einen Salat daraus zu machen (vielleicht mit den Nudeln von Vorgestern).

Auch beim Kochen von Linsen, Kichererbsen und Bohnen kann man so verfahren und diese dann entweder portionsweise einfrieren oder sogar eigene Konserven daraus machen, indem man sie einkocht, dazu kommen wir noch.

Oma hatte nämlich immer genug zu tun, auch ohne Berufstätigkeit. Ein gutes Zeitmanagement in der Küche kann einem da mal die ein oder andere freie Stunde verschaffen, zum Beispiel für ein Mittagsschläfchen um auch einmal die eigenen Ressourcen zu schonen!

Hier findet ihr übrigens ein Resteverwertungsrezept von mir mit einer ganzen Checkliste für den Umgang mit bzw. die Vermeidung von Resten.

Und hier findet ihr mein veganisiertes und nachhaltigkeitstaugliches Rezept für Himmel & Ääd.

 

Weckgläser, Eingemachtes, Vorräte

Oma hatte den ganzen Keller voll mit Eingemachtem (Photokredit: Pixabay)

 

5. Bei Oma ging es ans Eingemachte!

Wie habe ich es geliebt, wenn es bei meiner Oma oder Mutter Grießbrei gab und dazu ein Glas eingeweckt Birnen oder Pflaumen aufgemacht wurde. Damals natürlich mit viel Zucker, das muss man ja heute nicht mehr so machen. Aber diese eingemachten Früchte gehören zu meinen schönsten kulinarischen Kindheitserinnerungen.

Nachhaltig oder sparsam ist das Ganze natürlich am ehesten, wenn man diese Früchte nicht teuer kaufen muss. Oma hatte zwar keinen Garten, aber ihre Verwandtschaft schon und daher gab es auch immer etwas zum Einkochen.

Einkochen ist auch eine gute Alternative, um selbst gekochte Bohnen und Linsen haltbar zu machen und für alles, was man sonst vielleicht aus der Dose kaufen würde: Ein Satz Weckgläser hält ewig und spart eine Menge Verpackungen!

Die Kochbuchautorin Nicole Just zeigt euch in diesem Beitrag sehr schön, wie einfach das Einkochen geht.

 

 

nachhaltiger Umgang mit Kleidung

Einen Knopf annähen – wer kann es? (Photokredit: Pixabay)

 

6. Oma hatte nicht ständig neue Klamotten

Neu kaufen? Das kam eigentlich nur für besondere Anlässe infrage, der wenn etwas wirklich aufgetragen war. Zunächst wurde ausgebessert: Knöpfe wieder angenäht, Löcher oder Risse repariert, Socken gestopft. Schuhe brachte man zum Schuster. Zu Kleines wurde weitergegeben, zu Großes natürlich auch.

Mode macht Spaß und es gibt inzwischen viele neue Marken, die nicht nur fair sondern auch vegan produzieren.

Aber was ist mit unseren anderen Sachen? Muss man sie immer direkt wegwerfen? Manchmal sind nur Kleinigkeiten kaputt, aber alles ist so billig geworden, dass es sich oft kaum lohnt, es zum Schneider zu bringen.

Oma hat immer gesagt „kauf dir was Vernünftiges!“ Damit meinte sie sicher auch: Gute Qualität. Etwas, das nicht so schnell kaputt geht, dafür aber auch etwas mehr kostet. Macht auch heute noch Sinn – und das nicht nur beim Kauf von Bekleidung!

Fazit

Früher war sicher nicht alles besser. Aber wenn man sich mal ansieht, wie wertschätzend seinerzeit mit den Dingen und den Lebensmitteln umgegangen wurde ist es doch erstaunlich, das genau diese Generation aber auch dafür verantwortlich ist, dass es nicht mehr so ist. Ich habe diese Veränderungen mitbekommen. Wie die Milch auf einmal nicht mehr in Flaschen gebracht wurde, sondern in Schläuchen verkauft wurde in den Supermärkten, die wie Pilze aus den Boden schossen. Wie immer mehr Billigläden eröffnet wurden, es Dinge aus haltbaren Materialien nun aus Kunststoff gab.

Ich treffe immer mehr Menschen, die umdenken und Dinge wieder wie Oma machen. Allein der Gebrauch von Stoffbeuteln statt Tüten hat sich in den letzten Jahren stark verbreitet. Es gibt neue Firmen, Hersteller, Dienstleister, die versuchen, die „guten alten Methoden“ mit unseren heutigen Ansprüchen an Bequemlichkeit zu vereinbaren.

Aber da ist noch Luft nach oben und da geht noch mehr, ja auch bei mir selber. Ich versuche ständig, meine Werte zu überprüfen, mein Verhalten in Puncto Nachhaltigkeit zu optimieren und möglichst andere auch dazu anzuregen – und zwar ohne erhobenen Zeigefinger.

Ich hoffe, dass mir Letzteres mit diesem Artikel auch gelungen ist.

Schreib mir gerne in den Kommentaren, was du wieder so machst wie Oma und wie dir das gelingt? War es schwer, die Gewohnheiten zu ändern? Welche Hürden gibt es?

 

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8 Kommentare zu “Was wir von meiner Oma über Nachhaltigkeit lernen können

  1. Das kenne ich alles sehr ähnlich von Mutter und Oma, ich bin ja eine Generation älter. Plastiktüten gab und gibts es bei mir eigentlich nie, dass muss dann schon ein großer Notfall sein, mein Einkauf ist meist auch viel zu viel, als dass sich das gut in Tüten transportieren ließe. Für den Markt haben ich mir einen großen Trolly gekauft, super und den bekomme ich auch noch gut ins Auto, sehr praktisch.
    Kochen tue ich in der Woche auch meist auf Vorrat, und dann mit Abwandlungen was frisches dazu, denn jeden Tag habe ich nicht die Zeit aufwändig zu kochen, aber Fertiggerichte kommen ja nicht in die „Tüte“.
    Mein altes Plastik fliegt jetzt auch nach und nach und nach raus, wenn es kaputt geht.
    Ich denke, man kann eine Menge in Punkto Nachhaltigkeit machen, wenn man erst einmal anfängt, sich darüber Gedanken zu machen und es nach und nach einsetzt.
    Lieben Sonntagsgruß
    Marlies

    Gefällt 2 Personen

  2. Was für ein toller Artikel. Ich bin mit zwei solchen Omas aufgewachsen und habe es geliebt, in ihren Gärten zu stöbern und beim Kochen des frischen Gemüses und beim Einkochen des Obst zu helfen. Die Küchengeräte meiner Oma konnte ich nach ihrem Tod leider nicht retten. Ich versuche selbst sehr nachhaltig zu leben. Liebe Grüße, Steffi

    Gefällt 2 Personen

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